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    <title>Jüdische Text-Architekturen - Beiträge</title>
    <description>Neuste Artikel in der Online-Anthologie</description>
    <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/datum</link>
    <lastBuildDate>Mon, 09 Mar 2026 21:23:23 +0000</lastBuildDate>
    <item>
      <title><![CDATA[Joshua Spies, Die fiktive jüdische Topografie einer mitteldeutschen Stadt]]></title>
      <description><![CDATA[In seiner Erzählung „A tog in Regensburg“, die 1933 zuerst im
Malino Verlag in New York erschienen ist, beschreibt der
jiddischsprachige Schriftsteller Joseph Opatoshu eine Hochzeit
zwischen einer Regensburger Jüdin und einem Wormser Juden in
Regensburg. Die Handlung spielt im Jahr 1519, welches in der realen
Geschichte das Jahr der Vertreibung der Regensburger Jüdinnen und
Juden aus der Stadt ist. Diese wird im Verlaufe der Erzählung auch
thematisiert, allerdings beginnt der Text zuerst mit dem Schameß
Jekil, dem Synagogendiener, der in voller Vorfreude auf die Hochzeit
und in Erwartung der Gäste, seinem Sohn Berl über die
Hochzeitspläne erzählt. Opatoshu lässt Jekil auf den ersten Seiten
auf sein jüdisches Regensburg und seine siebzig Jahre Lebenszeit in
dieser Stadt (zurück)blicken. Neben den Bewohner:innen des jüdischen
Viertels kommen ihm dabei auch dessen Gebäude wie die Jeschiwa, die
Talmudschule in den Sinn. Der hier gewählte Abschnitt, S. 12 - 15,
endet mit der Beschreibung der Synagoge in der Mittagssonne, hinter
der die Kirchturmspitzen der Kirche St. Emmeram hervorschauen. Im
Verlauf der weiteren Handlung treffen die Wormser Gäste, Gaukler und
Bettler in der Stadt ein und es beginnen die ersten Feierlichkeiten,
bei denen vor allem der jiddischsprachiger Gesang der einzelnen
Parteien, u. a. der Gaukler und der Talmudschüler viel Raum einnimmt.
Mit der Ankunft des Jossilman Rosheim, dem rechtlichen Vertreter der
jüdischen Gemeinden im Heiligen Römischen Reich zu dieser Zeit, geht
auch die Nachricht einer bevorstehenden Vertreibung der Jüdinnen und
Juden aus Regensburg einher.

Der vorliegende Beitrag bezieht sich auf die Neuauflage der deutschen
Erstübersetzung mit dem Titel „Ein Tag in Regensburg“ aus dem
Jahr 2009, welche 2019 im Regensburger Verlagshaus Friedrich Pustet
anlässlich der Eröffnung der neuen Synagoge in Regensburg erschien.]]></description>
      <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/spies-fiktive-juedische-topografie</link>
      <pubDate>Sat, 25 Oct 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Beate Lehmann, Aus der Krise entstanden: Siegfried Lehmanns Idee einer Jugendsiedlung in Palästina]]></title>
      <description><![CDATA[Das Tagebuch des jüdischen Arztes und Pädagogen Siegfried Lehmann
wird im Archiv des von ihm gegründeten Kinder- und Jugenddorfes Ben
Schemen in Israel aufbewahrt. Es handelt sich um ein fadengebundenes
Heft im DIN-A 5-Format mit halbfestem, schwarzem Einband und
Blanko-Blättern. Die ersten, offenbar beschriebenen Seiten des Heftes
fehlen, die letzten, wahrscheinlich unbeschriebenen, wurden
herausgeschnitten. Die Einträge umfassen auf 87 Seiten den Zeitraum
vom 29.12.1924–20.12.1930. Die einzelnen Einträge wurden i. d. R.
mit großen zeitlichen Abständen verfasst. Besondere Aufmerksamkeit
gilt im Folgenden dem Eintrag vom 28.02.1925. Siegfried Lehmann hatte
zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossen, die Leitung der jüdischen
Waisenfürsorge in Litauen abzugeben und das von ihm gegründete
Kinderhaus in Kowno zu verlassen. Sein Plan war es, in Palästina eine
landwirtschaftliche Jugendsiedlung zu gründen, in der Kinder und
Jugendliche aus Kowno eine landwirtschaftliche Ausbildung erhalten
sollten, die es ihnen später ermöglichen würde, für den eigenen
Lebensunterhalt zu sorgen. Im Eintrag vom 28.02.1925 beschreibt
Siegfried Lehmann, welche Idee ihn motivierte und wie er sich die
Anlage der Siedlung vorstellte. Siegfried Lehmann nutzte verschiedene
Materialien und Methoden, um Unterstützer:innen für seine Idee zu
gewinnen – dazu gehörten u. a. Broschüren, Vorträge und Filme.
Der Tagebucheintrag aber diente Lehmann ausschließlich der
Selbstreflexion und der Strukturierung seiner Gedanken. Die zum
Eintrag gehörende Skizze der geplanten Jugendsiedlung wurde von ihm
nie veröffentlicht.]]></description>
      <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/lehmann-lehmann-jugendsiedlung-palaestina</link>
      <pubDate>Mon, 03 Mar 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Regina Stephan, Ein semitischer Commonwealth aus Juden und Arabern. Erich Mendelsohns Beobachtungen, Überlegungen und Rat für die Zukunft Palästinas 1940]]></title>
      <description><![CDATA[Autor des Textes ist der aus Allenstein, Ostpreußen, stammende
Architekt Erich Mendelsohn (1887–1953). Er emigrierte im März 1933
aus Deutschland. Noch im selben Jahr gründete er in London und 1935
in Jerusalem neue Büros, zwischen denen er pendelte. Der durch die
Jerusalem Press Ltd. in Palästina, dem damaligen Britischen
Mandatsgebiet, in unbekannter Auflage publizierte kurze Text (18,5 S.)
hat keine Abbildungen. Er erschien im Februar 1940. Zu dieser Zeit
lebte Mendelsohn mit seiner Frau in Palästina. London hatten sie
aufgrund der erkennbaren Kriegsgefahr im Frühsommer 1939 verlassen.
Doch auch in Palästina war die Situation schwierig. Mendelsohns
Bauprojekte litten 1936–1939 unter dem arabischen Aufstand. Im
September 1939 überfiel die Deutsche Wehrmacht Polen und löste somit
den Zweiten Weltkrieg aus. Im Folgemonat verhängte die Britische
Mandatsregierung eine Einwanderungssperre nach Palästina. Der
53-jährige Architekt, der bereits 1923 zum ersten Mal in Palästina
gewesen war, als noch sehr viel weniger europäische Immigranten in
Land lebten, schrieb den Text also in einer politisch äußerst
bewegten Zeit. Er beginnt den Text mit einem Rückblick auf 6000 Jahre
Geschichte des Mittelmeers und seiner Anrainer. Die osmanische
Herrschaft führte aus seiner Sicht zum Verfall Palästinas, das
dennoch in der gegenwärtigen Bedrängnis der europäischen Juden
„die einzige Lösung ihres immerwährenden Rätsels“ sei. Er
stellt jedoch fest, dass Palästina kein unbewohntes Land sei, sondern
im Gegenteil Teil der arabischen Welt. Daher hänge das Schicksal
Palästinas daran, dass Juden und Araber sich als Mitglieder der
gemeinsamen semitischen Familie verstehen und das Land gemeinsam
entwickeln. Es ist eine Aufforderung an beide.]]></description>
      <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/stephan-mendelsohn-zukunft-palaestina</link>
      <pubDate>Mon, 03 Mar 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Juana Torralbo Higuera, Scholem Asch: Ungewöhnliche Nachbarn in Got fun nekome: Bordell und Familienwohnung unter einem Dach]]></title>
      <description><![CDATA[Got fun nekome (Der Gott der Rache; 1907) ist ein jiddischsprachiges
Theaterstück von Scholem Asch. Die Handlung ist in einer
zeitgenössischen (1907) großen Stadt in der russischen Provinz
situiert. Das Stück kann als Teil einer Trilogie gelesen werden, die
zusammen mit Motke ganef (Motke Dieb; 1917) und Der toyter Mensch (Der
tote Mann; 1922) die Unterwelt darstellt. Das Drama erzählt die
Geschichte der Familie Tchaftchovitsch, bestehend aus dem Vater
(Jankel), einem Bordellbesitzer, der Mutter (Sara), einer ehemaligen
Sexarbeiterin, und ihrer jugendlichen Tochter (Riwkele). Trotz der
Bemühungen der Eltern, sie von der Unterwelt des Bordells
fernzuhalten, beginnt Riwkele eine romantische Beziehung mit Manjka,
einer der Sexarbeiterinnen im Bordell ihres Vaters. Gleichzeitig haben
Jankel und Sara Gespräche mit dem Heiratsvermittler begonnen und
bemühen sich, sicherzustellen, dass ihre Tochter als geeignete
Kandidatin für eine Heirat und Familiengründung angesehen wird. Auf
diese Weise hoffen Jankel und Sara, sich von ihren Sünden im
Zusammenhang mit dem Sexhandel zu befreien. Diese Erlösung bleibt
unerfüllt, da Riwkele eines Nachts mit Manjka wegläuft. Die
Ungewissheit bezüglich Riwkeles „Reinheit“ nach der Nacht mit
Manjka veranlasst ihren Vater, die Verbindung zu sabotieren. Scholem
Asch (1880–1957) schrieb jiddischsprachige Romane und
Theaterstücke. Er wurde in Kutno, einer Stadt im Russischen Reich,
geboren und ließ sich nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs in New York
City nieder, wo er amerikanischer Staatsbürger wurde. Seine
Veröffentlichungen und die Inszenierungen seiner Stücke waren
oftmals von öffentlichen Kontroversen begleitet, die zeitgenössische
gesellschaftspolitische Themen beleuchteten. Dieser Beitrag bezieht
sich auf die deutsche Übersetzung des Stücks, die 1907 im S. Fischer
Verlag in Berlin erschien.]]></description>
      <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/torralbo-higuera-scholem-asch</link>
      <pubDate>Mon, 03 Mar 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Björn Weyand, Zwischen Konsumkultur und Intertextualität: Jüdische Identität in der Berliner Moderne um 1900]]></title>
      <description><![CDATA[1906 debütierte der in Berlin populäre Plakatkünstler und
Karikaturist Edmund Edel (1863–1934) mit seiner Satire Berlin W. Ein
Paar Kapitel von der Oberfläche als Schriftsteller. Das Buch
beleuchtet die neue wohlhabende Gesellschaftsschicht, die sich um 1900
im Berliner Westen am Kurfürstendamm und seinen angrenzenden Vierteln
niederließ. Es gibt keine durchgängige Handlung und keine
Protagonisten, vielmehr entwerfen die neun Kapitel ein
gesellschaftliches Panorama von karikaturhaften Typen. Diese werden
auch in den zahlreichen von Edel angefertigten Zeichnungen
dargestellt, die in den Text eingefügt sind. Im Zentrum stehen dabei
das familiäre und das gesellschaftliche Leben, die von der neu
aufkommenden Konsumkultur mit ihren Warenhäusern und
Modeerscheinungen geprägt waren – jener neuen
‚Oberflächenkultur‘, die im Untertitel benannt wird. Edel
präsentiert eine bürgerliche Schicht, die nur durch gelegentliche
Hinweise und ein intertextuelles Spiel mit der Thora als jüdisch
geprägte zu erkennen ist. Seine Satire stellt damit ein
aufschlussreiches Dokument dar über großstädtisches jüdisches
Leben um 1900 zwischen Tradition und Moderne, religiöser Identität
und säkularer Alltagskultur. Berlin W. erschien in der Berliner
Verlagsbuchhandlung Boll und Pickardt, zusätzlich zur regulären
gebundenen Buchhandelsausgabe wurden auch fünfzig nummerierte, in
Pergament gebundene und vom Autor gezeichnete Exemplare angeboten. Das
Buch hat einen Umfang von 160 Seiten im Oktavformat. Die einzelnen
Kapitel heißen: Die Familie, Die Ehe, Der Jour, Die Zeit der jungen
Liebe, Kunst und Künstler, Im Zoo, Auf Reisen, Wenn sie abends
ausgehen, U. A. w. g.]]></description>
      <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/weyand-juedische-identitaet-berliner-moderne</link>
      <pubDate>Mon, 03 Mar 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Sietske van der Veen, „Ich rufe dich zum Zeugen auf, Ruben:” Siegfried van Praag und sein Jerusalem des Westens]]></title>
      <description><![CDATA[Dies ist ein Auszug aus dem 1961 erschienenen Roman Jeruzalem van het
Westen Jerusalem des Westens des niederländisch-jüdischen
Schriftstellers Siegfried Emanuel van Praag (1899–2002). Er zeigt,
wie eine der Figuren, ein jüdischer „Amsterdamer”, der lange vor
der Shoah Alija gemacht hatte, den Protagonisten, Van Praags Alter Ego
Ruben Joseph, bei einem Besuch in Israel in den 1950er-Jahren posthum
anspricht: „Ich rufe dich zum Zeugen, Ruben, dich, der du deine
Jugend in unserem Jerusalem des Westens verbracht hast.” Ik roep
jou tot getuige Ruben, jij, die je jeugd in ons Jeruzalem van het
Westen hebt geleefd. (S. 458). Diese Aufforderung verkörpert Van
Praags Motivation, das Buch zu schreiben, das im Wesentlichen ein
Denkmal für das Amsterdamer Judentum der Vorkriegszeit darstellt. Vor
der Shoah waren etwa zehn Prozent der Amsterdamer Bevölkerung
Jüdinnen und Juden. Nur eine kleine Anzahl von ihnen überlebte. Auf
diesen Seiten kommen die wichtigsten Themen des Romans zusammen: Der
Zionismus, der Van Praags jüdische Identität und sein Schreiben
stark prägte, die urbane Landschaft Amsterdams, der Stadt seiner
Jugend, und vor allem die Jüdinnen und Juden, die in ihr lebten, in
all ihren Schattierungen und Farben. Van Praag stellte die erste
Fassung von Jeruzalem van het Westen 1947 fertig. Das Manuskript wurde
von mehreren Verlagen abgelehnt. Erst zehn Jahre später und nach
einer gründlichen Überarbeitung beschloss der Leopold-Verlag in Den
Haag, das zu veröffentlichen, was sein Direktor als eines der
ergreifendsten Bücher von Van Praag bezeichnete Brief von Kees
Kingsmans an Siegfried van Praag, 29. September 1960, Bibliotheca
Rosenthaliana, UBA189 Archief Siegfried van Praag, nicht
uninventarisiert. Das ursprüngliche Manuskript sowie die
persönlichen Tagebücher des Schriftstellers, die seine Besuche in
Amsterdam nach dem Krieg dokumentieren, werden in der Bibliotheca
Rosenthaliana in Amsterdam aufbewahrt. Zusammen mit dem endgültigen
Roman geben diese Dokumente Aufschluss darüber, wie Van Praag zu den
jüdischen Stadtlandschaften seiner Heimatstadt in Beziehung stand.]]></description>
      <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/van-der-veen-van-praag-jerusalem</link>
      <pubDate>Thu, 27 Feb 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Susanne Korbel, Wohnverhältnisse und Heimarbeit in Wien im frühen 20. Jahrhundert]]></title>
      <description><![CDATA[Im Wiener Verlag „Arbeit und Wirtschaft“ erschien 1928 im Auftrag
der Kammer für Arbeiter und Angestellte die sozialwissenschaftliche
Studie über die „Wohn- und Lebensverhältnisse der Wiener
Heimarbeiter“, verfasst von der Aktivistin, Redakteurin, Soziologin
und Sozialdemokratin Käthe Leichter (geboren Käthe Marianne
Katharina Pick 1895, ermordet 1942). Die Studie basiert auf rund 4.000
im März 1927, „zur Zeit des stärksten Anwachsens der Heimarbeit“
(S. 7), versandten Fragebögen. Von den 4.000 Fragebögen wurden 1.500
ausgefüllt retourniert, davon wiederum 500 als unbrauchbar definiert.
Leichter interpretierte, wertete statistisch aus und bereitete die
Ergebnisse didaktisch in Schautafeln auf. Damit legte sie die bisher
größte derartige Studie vor  In einem aktuell laufenden
Forschungsprojekt werden die Bedingtheit, die Folgen und die Qualität
derartiger jüdisch-nichtjüdischer Begegnungen in den "privaten"
Räumen in Budapest und Wien, den beiden Residenzstädten der
Habsburgermonarchie, erforscht. FWF ESP 120: Entanglements of Jews and
non-Jews in Private Spaces, Budapest and Wien 1880–1930.. Der
Gesamtumfang umfasst 145 Seiten, die nach thematischen Aspekten und
hinsichtlich der Verhältnisse in der Heimarbeit in unterschiedlichen
Berufszweigen (Kleiderkonfektion, chemische Industrie,
Papierkonvektion u. s. w.) gliedert sind. In der Einleitung geht
Leichter auf den Studienaufbau und methodologische Mängel ein, wie
etwa den Umstand, dass Kinderarbeit abgeschwächt, während andere
Missstände übertrieben dargestellt wurden. Neben vielen wichtigen
Erkenntnissen zieht Leichter den Schluss, dass Heimarbeit in Wien
„ein Problem der Frauenarbeit“ (S. 5) war. Der gewählte und im
Folgenden näher dargestellte Auszug (vier Seiten) umfasst die
Diskussion der Wohnverhältnisse der Heimarbeiter:innen im ersten Teil
der Studie (S. 43 bis 46).]]></description>
      <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/korbel-wohnverhaeltnisse-in-wien</link>
      <pubDate>Fri, 10 Jan 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Beate Lehmann, Ein zionistisches und pädagogisches Leuchtturmprojekt. Siegfried Lehmann und das Waisenhaus in Kowno]]></title>
      <description><![CDATA[Bei „Utopia“ handelt es sich um eine Kurzgeschichte, deren
Verfasser:in, Erscheinungsort und Erscheinungsjahr unbekannt sind.
Wahrscheinlich wurde die Erzählung erstmals 1925 – vermutlich auf
Deutsch – gedruckt. Sie wurde genutzt, um für die von Siegfried
Lehmann geplante Gründung einer landwirtschaftlichen Jugendsiedlung
in Palästina zu werben. Der Text zählt mit seiner pädagogischen,
auf der zionistischen Idee fußenden Beschreibung der Erziehung und
Ausbildung junger Einwanderer in Palästina zum jüdischen Kulturerbe.
„Utopia“ rückt außerdem in der Zeit des vorstaatlichen Israels
eine landwirtschaftliche Siedlung, ein Dorf in den Fokus. Der Text
betont damit die Bedeutung des ländlichen Raums der zwar ideologisch
von großem (zionistischen) Interesse war, aber in seiner
tatsächlichen Gestaltung zu dieser Zeit eher selten beschrieben
wurde. Die von Lehmann geplante Siedlung – Ben Schemen – wurde
schließlich 1927 gegründet. Vier Jahre nach seinem Tod erschien 1962
eine hebräische Sammlung von ihm verfasster Texte. Obwohl die
Herausgeber „Utopia“ in „Idee und Verwirklichung“ aufnahmen,
darf Lehmanns Urheberschaft angezweifelt werden: Der Stil der
Erzählung weicht deutlich von anderen, im Vergleichszeitraum von ihm
verfassten Texten ab. Ein etwa zur gleichen Zeit wie „Utopia“
entstandener Tagebucheintrag mit einer Skizze der geplanten
Jugendsiedlung kann eindeutig Lehmann zugeordnet werden: „The Idea
and its Realization“, die englische Übersetzung der Textsammlung,
wurde schließlich 1978 anlässlich des 20. Todestages Lehmanns als
Privatdruck herausgegeben. „Utopia“ beschreibt den Besuch einer
Gruppe Erwachsener in einem palästinensischen Jugenddorf. Die
Besucher:innen lernen die Anlage des Dorfes mit seinen Wohn-,
Ausbildungs- und Werkstätten kennen. Die Gäste nehmen an einem
Gottesdienst, dem Schulunterricht und einem Fest teil. In Gesprächen
erfahren sie viel über das Gemeinschaftsleben und die Herkunft der
jungen Dorfbewohner:innen. Von bereits lang im Land lebenden
jüdischen Siedler:innen hören die Gäste später, dass die
Anwesenheit der Kinder und Jugendlichen die Siedler selbst motiviert
und ermutigt. Nach ihrem Besuch muss die Gruppe nach Europa
zurückkehren. „Utopia“ schließt mit dem Appell an die
Leser:innen, die Realisierung eines Jugenddorfes wie des beschriebenen
zu unterstützen.]]></description>
      <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/lehmann-waisenhaus-kowno</link>
      <pubDate>Fri, 10 Jan 2025 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Sonja Dickow-Rotter, „jüdische Reminiszenzen, die der Erwähnung bedürfen“ – Martin Cohens „Ein Streifzug durch die deutschen Großgemeinden von Hamburg“, Israelitisches Familienblatt 32 (1930), Nr. 47, vom 20.11.1930]]></title>
      <description><![CDATA[Am 20. November 1930 veröffentlichte der 25-jährige Martin Cohen
(1905–1962), Rabbinersohn aus einer Altonaer sefardischen Familie,
seinen „Streifzug durch die deutschen Großgemeinden von Hamburg“.
Der Artikel erschien im Israelitisches Familienblatt XXXII, Nr. 47 als
Bericht in einer Reihe, die über die verschiedenen Großgemeinden in
Deutschland in den Jahren 1930 und 1931 veröffentlicht wurde  (vgl.
Studemund-Halévy/Menny 2013, S. 28) . Der knapp eine Seite füllende,
dreispaltig gedruckte Bericht beschreibt wichtige jüdische Gebäude
und Orte der Hansestadt wie Synagogen, Beträume, Schulen, Wohnstifte
und Logen in der Hamburger Neustadt, auf St. Pauli, in der Hafengegend
und dem Grindelviertel und geht auf deren historische und
zeitgenössische Besonderheiten ein. Die mit dem Groß-Hamburg-Gesetz
der Nationalsozialisten von 1937 hinzugekommenen Stadtteile Altona,
Wandsbek und Harburg finden keine Erwähnung. Das Israelitische
Familienblatt richtete sich an ein jüdisches Lesepublikum, dem Cohen
mit seinem Artikel Aspekte der jüdischen Stadtgeschichte Hamburgs
vermitteln wollte.]]></description>
      <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/dickow-rotter-martin-cohens-streifzug</link>
      <pubDate>Sun, 08 Dec 2024 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Pavel Brunssen, Georg Spitaler, Vorstadtklub gegen Kaffeehausklub: Jüdische Differenz und die Topografie des Wiener Fußballs]]></title>
      <description><![CDATA[Am 8. Oktober 1927 erschien in der populären Wiener Sportzeitschrift
Illustriertes Sportblatt ein Kommentar, der sich mit den sportlichen
Entwicklungen des Wiener Fußballs auseinandersetzte. Der Artikel
steht beispielhaft für die Konstruktion einer spezifischen
kulturellen Topografie der Stadt, die sich im Wien der
Zwischenkriegszeit nicht zuletzt über die Kategorie der „jüdischer
Differenz“ definierte. Wien war vor und nach 1918 ein wichtiger Ort
der Entwicklung verschiedener jüdischer Selbstverständnisse sowie
Fremdbilder über „Juden“. Der jüdische Bevölkerungsanteil der
Stadt betrug knapp zehn Prozent. Ein bedeutendes Betätigungsfeld für
Juden – und in begrenztem Maß auch Jüdinnen – war der Fußball,
der sich in dieser Zeit als eine der wichtigsten Massenkulturen
durchsetzte und Wien als eines seiner europäischen Zentren
etablierte. Fußballstadien wurden Räume des politischen Diskurses,
sie verbanden Sport und Gesellschaft. In und um die Stadien entstand
eine kulturelle Topografie des Wiener Fußballs, die bis in die
Gegenwart wirkmächtig geblieben ist. Sie drehte sich um den zentralen
Antagonismus zwischen proletarisch konnotierter Vorstadt und
bürgerlicher City, von „bodenständigen“ Vereinen wie dem
Sportklub Rapid oder der Floridsdorfer Admira, die den „Cityklubs“
Wiener Amateur-Sportverein (genannt Amateure, später FK Austria) und
dem nationaljüdischen SC Hakoah gegenübergestellt wurden. Die
Chiffre des „jüdischen“ wurde dabei mit der City und dem
Kaffeehaus – als Metapher und Vereinstreffpunkt – in Verbindung
gebracht.]]></description>
      <link>https://juedische-text-architekturen.online/beitrag/brunssen_spitaler-vorstadtklub-gegen-kaffeehausklub</link>
      <pubDate>Mon, 21 Oct 2024 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
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